Vom Klonen und von Chimären
Groß Kummerfeld - Moderne Technik macht fast alles möglich. Von Chimären, halb Mensch halb Tier, von künstlichen Zwillingen, auf Eis gelegten Embryos, Entstehung von Leben irgendwo im Labor und von Klonen sprach Kathrin Stöve-Schimmelpfennig vor 90 Groß Kummerfelder Landfrauen. Während der Jahreshauptversammlung im Cumerveldhus informierte die Kieler Professorin über Methoden der Biotechnologie. Sie zeigte Chancen, aber und Risiken, wenn der Mensch die Regeln der natürlichen Fortpflanzung außer Kraft setzt.
"Was für den einen Zauberworte, sind für den anderen Horror-Science Fiction", erklärte Kathrin Stöve-Schimmelpfennig und versprach den Zuhörerinnen, sich dem Thema sachlich zu nähern. Anders als bei der Gentechnologie greifen Biotechniker nicht in das Erbgut eines Lebewesens ein. Das älteste bekannte biotechnische Verfahren sei die künstliche Befruchtung. Auf diese Weise kann in der Tierzucht der Samen ausgesuchter Vatertiere weitaus mehr Nachkommen zeugen als auf natürlichem Wege. Zudem verhindert das Verfahren die Verbreitung mancher Krankheiten, wie es beim Deckakt möglich wäre.
Zum ersehnten Nachwuchs verhelfe künstliche Befruchtung auch Menschen, die auf natürlichem Wege keine Kinder zeugen könnten. Hauptgrund für Zeugungsprobleme sei die mangelnde Spermaqualität bei vielen Männern.
Die moderne Biotechnik vermag noch mehr, sagte die Wissenschaftlerin. Etwa den Embryo-Transfer oder die vorgeburtliche Geschlechtsbestimmung.
Doch was in der Tierzucht mittlerweile übliches Verfahren ist, sei bei Menschen noch lange nicht erlaubt, warnte die Referentin - auch wenn technisch alles möglich wäre. So seien Eizellenspenden und Leihmutterschaften hierzulande verboten. Embryonen dürften nicht "auf Vorrat" eingefroren werden. Das "Twinning", die künstliche Teilung menschlicher Stammzellen zur Erzeugung eineiiger Zwillinge, gehört zu den unerlaubten Verfahren. Dies gelte auch für die bio- und gentechnische Kombination von Mensch und Tier, einer Chimäre.
In anderen Ländern seien solche Techniken zum Teil ausdrücklich erlaubt oder würden zumindest nicht streng überwacht. So gebe es einen deutschen Leihmüttertourismus nach Italien. In den USA würden sogar Embryonen in einer Internetbörse zur Adoption angeboten.
Für Kathrin Stöve-Schimmelpfennig gibt es in diesem Bereich kein Schwarz-Weiß-Denken. Wirtschaftliche, aber auch medizinische Vorteile seien gute Gründe, um Biotechnik zu betreiben. Sie berge allerdings auch Gefahren: Inzucht, die Verbreitung von Erbfehlern, Viren würden konserviert und nicht überlebensfähige Organismen erzeugt.
Auch in ihrem Exkurs in die vielfach umstrittene Gentechnik zeigte die Wissenschaftlerin zwei Seiten der Medaille: Die Genanalyse etwa zur Bestimmung von Erbfehlern sei ein Fortschritt, ebenso Gentechnik zur Gewinnung von Medikamenten. Das Verfahren helfe, gefährliche Nebenwirkungen zu vermeiden.
Frau Stöve-Schimmelpfennig wandte sich aber strikt gegen das Klonen, also die Produktion identischer Organismen, oder die Erzeugung von Chimären. Abgesehen von moralisch-ethischen Bedenken böten diese beiden Verfahren nach ihrer Ansicht keinerlei Vorteil. "Klone bringen keine Verbesserung, sondern Stillstand", erklärte die Professorin. Und Chimären seien grundsätzlich unfruchtbar, mithin also eine Sackgasse.
Trotz der komplizierten Materie gelang es der Kieler Professorin, einen lockeren Ton anzuschlagen, der zahlreiche Heiterkeitsausbrüche der Landfrauen auslöste. "Ein toller Vortrag", dankte Brigitte Hauschildt, die Vorsitzende des Landfrauenvereins.
Sylvia Träbing-Butzmann/SZ
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