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Haut ab, ihr Muttis!

"Blut ist an sich ja ne tolle Sache. So schön leuchtend rot, wenn’s frisch ist und so fies braun wenn’s gerinnt. Aber nicht schön, wenn’s turnusmäßig pünktlich in meinem Zyklus auftaucht. Ich will ein Kind!"
Ein wunderbarer Artikel, unbedingt zu Ende lesen!

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Die Tage vor den Tagen sind deshalb Folter pur. Hat es diesmal geklappt oder nicht? Und wenn „die rote Flut“, wie meine Oma zu sagen pflegte, dann da ist, fluche und zetere ich wie das leibhaftige Rumpelstilzchen oder Paris Hilton, wenn sie den falschen Nagellack erwischt hat. Da bringt man ordnungsgemäß Schule und Studium hinter sich, sorgt für einen passablen Beruf, um dem irgendwann zu erwartenden Nachwuchs auch eine solide Grundlage zu bieten, kauft ein Haus, pflanzt einen Baum, tritt zur Not dem örtlichen Schützenverein bei und zahlt in die Sterbekasse ein. Und dann? Dann kommt er nicht, der verflixte Bengel oder die vorlaute Rotzgöre!

Eigentlich mag ich Kinder nicht so gerne. Sie halten zum Beispiel die persönliche Distanz nicht ein. Drücken sich ganz unbefangen gegen einen und tun so furchtbar vertraut, als ob man sich schon ewig kennen würde. Oder nerven mit Fragen, die ich nicht beantworten will. Frag’ doch Deine dicke Mutter! Die mit der praktischen Kurzhaarfrisur. Bei uns auf dem Land sind fast alle Muttis dick und kurzhaarig. Besonders, wenn sie vor der Geburt schlank und langmähnig waren. Muss irgendwie zusammenhängen. Wenigstens einen kleinen Teil der 40 % kinderloser Akademikerinnen der Republik oder anderweitig Kinderlose würd’ ich mir hier wünschen, dann wäre ich nicht so allein auf kinderloser Flur. Aber die hiesigen Akademikerinnen sind höchstens Primi-Mäuschen, die sich nach dem Examen haben schwängern lassen und im besten Fall ein Schuljahr lang Zweitklässler unterrichtet haben. Und dann sagen sie: „Ich führe ein erfolgreiches kleines Familienunternehmen“ und streichen sich durch die blond gesträhnten Haare. Der dazu notwendige provozierende Gesichtsausdruck eint ein ganzes Neubauviertel, in dessen Doppelhaushälften die Gäste-WCs immer neben den Eingangstüren liegen und Petunien in Blumenkästen blühen.

Zur Sozialkontaktpflege, auch ohne Kinder, nimmt man gerne Einladungen zum harmlosen Brunch mit ehemals besten Freundinnen, bevor sie zu Müttern mutierten, an. Leider stellt irgendjemand irgendwann immer mal wieder die Frage aller Fragen: „Und wann ist es bei Euch soweit?“ Die Vielfalt der Antwortmöglichkeiten lässt zu wünschen übrig. Hält man das Thema „Fehlgeburten“ hoch, schweigen plötzlich alle und ziehen ganz arg betretene Gesichter, halten den mitgebrachten Kindern die rosigen Öhrchen zu und die frisch vom Bauern organisierte Kuhmilch im weißen Milchkännchen aus der Thomas-Trend-Serie wird binnen Sekunden sauer. Will man die freundliche Gastgeberin nicht mit einem rüden „Geht Dich einen Scheißdreck an“ verprellen, antwortet man lächelnd mit einem neutralen „Schauen wir mal“.

Macht man jedoch den Fehler mit einem launigen „Wir üben noch“ zu kontern, gibt es kein Halten am saisonal dekorierten und in Eiche natur gebeizten Esstisch mehr. Besonders gut gemeinte Ratschläge schlagen einem lauthals aus allen vier Himmelsrichtungen entgegen. „Zwei Tage vor dem Eisprung klappt es am besten“, „3 Tage nach Vollmond bist Du am fruchtbarsten“, „Mach’ nach dem Sex immer eine Kerze, damit das Sperma optimal aufgenommen wird“, „Habt Ihr schon über In-Vitro nachgedacht?“ Gerne wird in rein weiblicher Runde auch die Frage nachgeworfen „Weißt Du denn, ob er überhaupt kann?“, und die darauf folgende sensationslüsterne Stille wird nur durch das Schreien von Jan-Christian unterbrochen, der die kleine Pistole eines seiner Playmobil-Männchen in seine Nase gesteckt hat.

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Kommentare

Da fällt man morgens aus dem Bett, ist irgendwie ganz duselig im Kopf und stolpert beim ersten deprimierten Kaffee über haargenau diesen Artikel --- danke dafür!! Hab' mich weggelacht (!!!), vermute, die Verfasserin hat direkt vor meiner Haustür recherchiert. Erkenne alles wieder. Jetzt schmeckt der Kaffee plötzlich.

Viele Grüße,
Steffi

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