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Urogenitale Infektionen des Mannes

GIESSEN (fod). Wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, ist in vielen Fällen die Ursache beim männlichen Partner zu suchen. Denn nicht selten sind es urogenitale Infektionen, die zu Fertilitätsstörungen führen, die Spermien-Produktion negativ beeinflussen und somit die Unfruchtbarkeit zur Folge haben.

Grund genug also diesem in der Praxis von Urologen, Andrologen oder Internisten eine wichtige Rolle spielenden Themenkomplex eine eigenständige Fachtagung zu widmen. Und so befasste sich das 12. Gießener Andrologische Symposium, das zugleich das 5. Symposium des in Gießen beheimateten Hessischen Zentrums für Reproduktionsmedizin war, am Samstag mit "Urogenitalen Infektionen des Mannes aus andrologischer Sicht".

Da der traditionelle Veranstaltungsort, die Universitätsaula, wegen Umbauarbeiten nicht zugänglich war, trafen sich die in diesem Jahr wieder aus dem gesamten Bundesgebiet sowie aus Österreich, der Schweiz und Italien - mit Prof. Francesco Lombardo aus Rom befand sich einer der weltweit renommiertesten Fachvertreter unter den Referenten - angereisten rund 80 teilnehmenden Experten im Hörsaal der Neuen Chirurgie.

"Etwa zehn Prozent aller Fertilitätsstörungen beruhen auf akuten Entzündungsreaktionen", wusste Dr. Thorsten Diemer. Der leitende Oberarzt der Gießener Klinik und Poliklinik für Urologie, gleichzeitig hauptverantwortlicher Organisator des Symposiums, sah in der Abklärung der hierbei zugrunde liegenden Ursachen einen erfolgsversprechenden Weg, den oftmals über lange Jahre auf Nachwuchs wartenden Paaren helfen zu können. Gleichwohl seien 30 Prozent aller Fruchtbarkeitsstörungen idiopathischer Natur, blieben also ohne erkennbare medizinische Ursache, musste er dennoch einschränken.

Angesichts der großen Breite in Frage kommender Infektionen war das Symposium in vier Themenblöcke eingeteilt. Einer davon war dem bei Prostatakarzinomen, eine der mit Abstand häufigsten Krebsarten unter Männern, als Tumormarker fungierenden PSA-Wert (PSA: Prostata-spezifisches Antigen) gewidmet. "Ein erhöhter Wert kann auch auf eine urogenitale Entzündung hinweisen", erklärte Diemer. Umso mehr bedauerte der Mediziner, dass die Messung durch den Haus- oder Facharzt noch immer keine Kassenleistung darstelle, da nur die Biopsie, die Entnahme von Prostata-Gewebe zur weiteren histologischen Untersuchung, eine genaue Aussage über das womögliche Vorhandensein eines Tumors erlaube.

Die Vorträge zeigten zudem, dass zwischen der Therapie akuter Infektionen auf der einen und chronischer Entzündungen auf der anderen Seite erhebliche Unterschiede bestehen können. Zumal die Diagnose letzterer meist einen größeren Aufwand benötigt und oftmals vielleicht sogar ein wenig vom glücklichen Zufall begünstigt sein muss. "Chronische Infektionen sind viel schwerer als akute zu erkennen", bestätigte der Mediziner. "Zumeist findet sich hier eine eher diffuse Symptomatik."

Darüber hinaus sei eine Behandlung, ob nun mit einem Antibiotikum oder auf andere Weise, nicht zuletzt wegen womöglicher Nebenwirkungen ungleich schwieriger. Sehr wahrscheinlich ist auch dies mit ein Grund dafür, dass es in den letzten beiden Jahrzehnten, wie Diemer zu berichten wusste, nur wenige Erfolge bei der Therapie auf urogenitaler Infektionen beruhender Fertilitätsstörungen gegeben hat.

gelesen bei Gelnhäuser-Tageblatt.de

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