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Freizeitsport kann Fehlgeburten fördern

Übertriebene sportliche Aktivität in der Frühschwangerschaft begünstigt Fehlgeburten. Zu diesem Schluss kommt eine Studie in BJOG (2007; doi:10.1111/j.1471-0528.2007.01496.x) und widerspricht damit einer Modewelle, die Frauen während der Schwangerschaft zu verstärkter sportlicher Aktivität antreibt.

Wurden Schwangeren früher eher zur körperlichen Ruhe ermahnt, so scheint der Trend derzeit in die andere Richtung zu gehen. Eine Google-Suche mit den Stichworten Schwangerschaft und Sport führt zu etlichen Seiten, in denen Frauen zu sportlicher Betätigung während der Schwangerschaft geraten wird. Den Schwangeren werden zahllose Vorteile versprochen von einer besseren Blutversorgung des Ungeborenen, über „glückliche Hormone“ für die werdende Mutter, weniger Schwangerschaftsstreifen, natürlich auch besserem Sex und zum Abschluss wird eine schmerzfreie Geburt – da trainierte Muskeln das Pressen erleichtern würden – in Aussicht gestellt.

Belege für diese Behauptungen werden nicht angeführt und Risiken ignoriert. In England entwirft eine Internet-Firma („Blooming Fit“) für ihre Klienten sogar spezielle Sportpläne. Sie alle sehen sich jetzt mit einer Studie von Epidemiologen der Universität von Süd-Dänemark in Odense konfrontiert, die auf ein bisher übersehenes Risiko hinweisen.

Die Gruppe um Anne-Marie Nybo Andersen hat die Daten der Nationalen Dänischen Geburtenkohorte ausgewertet. In den Jahren 1997 bis 2002 waren insgesamt 92.671 Schwangere zu ihren Ernährungs- und Lebensgewohnheiten interviewt worden. Einige Fragen betrafen auch die sportliche Aktivität.

3.187 Schwangerschaften endeten in einer Fehlgeburt. Am häufigsten war dies bei Frauen der Fall, die in der Frühschwangerschaft sportlich aktiv waren. Die Epidemiologen errechneten eine „dosis“-abhängige Beziehung, bei der mehr als 7 Stunden Sport in der Woche mit einem um den Faktor 3,1 (in den ersten 11 Gestationswochen), 3,7 (in den Wochen 11 bis 14) und 2,9 (in den Wochen 15- 18) erhöhten Abortrisiko assoziiert waren. Ab der 19. Woche war das Risiko nicht mehr erhöht.

Nicht alle Sportarten waren gleichermaßen riskant. Am höchsten war das Risiko bei “High-Impact”-Sportarten wie Jogging, Ballspielen und Tennissportarten, gefolgt von “Low-Impact”-Sportarten wie Aerobics, Tanzen und Wandern, aber auch der Besuch im Fitness-Studie erhöhte das Risiko signifikant. Radfahren und Reiten waren grenzwertig, während Schwimmen tendenziell das Fehlgeburtrisiko sogar senkte. Es könnte also darauf ankommen, für welche sportliche Aktivität sich die Schwangere entscheidet.

Die größte Schwäche der Studie besteht darin, dass die meisten Frauen erst nach der Fehlgeburt befragt wurden. Dies könnte leicht zu einem “Recall”-Bias geführt haben: Die Erinnerung an die sportliche Aktivität könnte durch die unbewusste Suche nach Erklärungen für das unglückliche Ereignis gefördert worden sein. Eine signifikante, wenn auch weitaus schwächere Assoziation (Hazard Ratio 1,80) war jedoch auch dann noch vorhanden, wenn die Auswertung auf die Frauen beschränkt wurde, die vor der Fehlgeburt befragt worden waren.

Trotz der insgesamt konsistenten Ergebnisse raten Andersen und Mitarbeiter nicht völlig von sportlicher Aktivität während der Schwangerschaft ab. Zu den wissenschaftlich belegten Vorteilen zählen sie eine verminderte Rate von Gestosen und Gestationsdiabetes. Aber ein Marathonlauf in der Frühschwangerschaft sollte es nach Möglichkeit aber nicht sein. © rme/aerzteblatt.de

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