Chlamydien schädigen Spermien-DNA – Können Antibiotika Kinderwunsch erfüllen?
Chronische Infektionen mit Chlamydia trachomatis, die bei Männern in der Regel asymptomatisch verlaufen, können die männliche Fertilität herabsetzen. Dies zeigt eine Studie, die auf der Jahrestagung der American Society for Reproductive Medicine in Washington vorgestellt wurde. Die Reproduktionsmediziner glauben, dass eine Antibiotikatherapie die Zeugungsfähigkeit wieder herstellen kann.
C. trachomatis gehört weltweit zu den häufigsten Erregern sexuell übertragbarer Erkrankungen. Zwischen 2 und 5 Prozent der Frauen im sexuell aktiven Alter haben Antikörper gegen die Erreger. Die genaue Zahl der Erkrankungen ist aber unbekannt, da die Infektionen häufig zu diagnostisch schwer greifbaren unspezifischen Unterleibsbeschwerden (Pelvic inflammatory disease) führen. Männer sind in der Regel erscheinungsfrei, damit aber nicht unbedingt gesund.
Eine mögliche Folge zeigt José Luis Fernández vom Canalejo University Hospital in La Coruña auf, der Paare mit unerfülltem Kinderwunsch berät. Mit einer neuartigen Methode, dem Spermienchromatindispersionstest, wies er bei Männern, die mit C. trachomatis infiziert waren, mehr als dreimal häufiger DNA-Fragmentierungen in Spermien nach als in einer Kontrollgruppe. Insgesamt zeigten 35 Prozent der infizierten Männer mit Kinderwunsch DNA-Fragmentierungen in den Spermien. Konzentration, Motilität und Morphologie der Spermien waren bei den Infizierten ebenfalls herabgesetzt.
Daraufhin wurden 95 Männer mit DNA-Fragmentierungen in den Spermien über vier Monate mit einem Antibiotikum behandelt, worunter sich die Integrität der Spermien-DNA, wie die Reproduktionsmediziner versichern, deutlich verbessert habe. 85,7 Prozent der Partnerinnen wurden schwanger, davon allerdings nur 12,5 Prozent während der Antibiotikatherapie.
Dass die Wiedergewinnung der Zeugungsfähigkeit Folge der Antibiotikatherapie ist, wie Fernández vermutet, lässt sich mangels Vergleichsgruppe nicht belegen. Angesichts der starken Verbreitung von Chlamydieninfektionen (vermutlich) auch bei Männern wäre eine randomisierte kontrollierte Studie sicherlich von Interesse. © rme/aerzteblatt.de


Aktuellste Artikel zu diesem Thema