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Eizellen-TÜV steigert Chance auf Kinder

Hoffnung für kinderlose Paare: Deutsche Forscher haben einen Eizellen-Test entwickelt, der die Erfolgsquote künstlicher Befruchtungen deutlich steigert. Das Verfahren klingt verblüffend einfach: Eizellen mit besonders schönen Hüllen versprechen die besten Aussichten auf Kinder.

Für viele Paare mit Kinderwunsch ist die Methode oft die letzte Möglichkeit, dass die Frau doch noch schwanger wird. Bei einer sogenannten intracytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) wird eine Samenzelle direkt in eine Eizelle gespritzt. Bisher geht jedoch nur für jedes dritte Paar, das mit ICSI behandelt wird, der Kinderwunsch auch in Erfüllung. Mit einer Verbesserung der Methode können es bis zu 50 Prozent sein, berichten Markus Montag und seine Kollegen von der Uniklinik Bonn im Fachblatt "Reproduktive BioMedizin".

Ein neues Computersystem könne die Qualität der Eizellen bestimmen. Würden nur gut beurteilte Eizellen verpflanzt, erhöhe sich die Chance, dass ein Kind aus der Befruchtung durch ICSI entsteht, deutlich.

Die Eizelle ist die größte Zelle im weiblichen Körper und sehr empfindlich. Heute weiß man, dass sich ihre Qualität von Exemplar zu Exemplar stark unterscheidet. Mit dem neuen, computergestützten Verfahren können Wissenschaftler die besten Kandidaten für eine Befruchtung per ICSI auswählen - eine Art Eizellen-TÜV.

"Wir haben die Eizellen der Probanden unter einem Polarisationsmikroskop betrachtet", sagte Montag im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Das ist erst einmal nichts anderes als eine Art Lupe, die allerdings verschiedene Schichten der Zelle zeigt." Ein Computer habe dann in nur fünf Sekunden errechnet, welche Zellen für die Implantation am besten geeignet seien.

Gleichmäßiges Leuchten

Eizellen haben einen Durchmesser von nur etwa einem Zehntel Millimeter und sind mit dem bloßen Auge kaum zu sehen. Lenkt man einen Lichtstrahl auf die einzelne Eizelle, wird das Licht zurückgeworfen. Die Eihülle erscheint dann als ein leuchtend orange-roter Ring.

Die Eihülle ist eine Struktur, die von der Eizelle selbst gebildet wird. Wurde sie gut mit Nährstoffen versorgt und herrschten auch sonst bei der Reifung gute Bedingungen, bekommt sie offenbar eine besonders gleichmäßige Form. "Je heller dieser Ring ist und je gleichmäßiger er leuchtet, desto größer ist die Chance, dass daraus ein Kind entsteht", sagt Montag. Allerdings seien gute Eizellen rar. Nur bei zwei von zehn Zellen sei die Eihülle kräftig und gleichmäßig orange gefärbt.

Die ICSI-Methode wird vor allem angewandt, wenn die Spermien des Mannes nicht beweglich genug sind oder es zu wenige von ihnen gibt. Mediziner können meist noch aus dem Hodengewebe einzelne funktionsfähige Spermien gewinnen. Bei der künstlichen Befruchtung wird dann ein ausgewähltes Spermium in die Eizelle injiziert.

Strenge Vorgaben durch Embryonenschutzgesetz

Vor der Injektion muss die Frau Hormonpräparate einnehmen. Sie bewirken, dass der Eierstock mehrere Eizellen auf einmal heranreifen lässt - normalerweise wäre es nur eine pro Monat. Unter dem Mikroskop werden dann die Zellen herausgesucht, die besonders vielversprechend aussehen. Nach der Injektion der Spermien dauert es gut 26 Stunden, bis die Zellkerne von Eizellen und Spermien miteinander verschmelzen und ein Embryo entsteht.

Ohne die von Bonner Medizinern angewandte Vorsortierung der Eizellen sind die Erfolgschancen geringer. "Mit der zurzeit üblichen Untersuchung über das Lichtmikroskop kann man nur zeigen, ob die Eizelle an sich intakt ist", sagt Jan-Steffen Krüssel, Reproduktionsmediziner der Universitätsklinik in Düsseldorf, zu SPIEGEL ONLINE. Welche der per ICSI behandelten Eizellen verpflanzt wird, ist so meist eine Sache des Zufalls.

Markus Montag hat die Eizellenauswahl perfektioniert. In Deutschland setzt das Embryonenschutzgesetz den Wissenschaftlern aber enge Grenzen. Sobald es zur Zellteilung kommt, darf der Embryo selbst nicht mehr untersucht werden. Deshalb konzentrieren sich die Auswahlverfahren hierzulande, im Unterschied etwa zu den USA, auf die Eizelle. "Umso wichtiger ist es, die Qualität dieser Zellen bestimmen zu können", sagt Krüssel. "Sollten sich diese Daten auf noch größere Fallgruppen übertragen lassen, könnte diese Methode eine große Bedeutung in der Reproduktionsmedizin erlangen."

Das neue Verfahren ließe sich problemlos und ohne großen Aufwand in die klinische Routine übernehmen, so Montag. In Bonn wurde das System entwickelt und wird dort seit etwa drei Jahren eingesetzt. Mittlerweile arbeiten nach Einschätzung von Montag drei bis vier der insgesamt rund 130 Reproduktionskliniken in Deutschland mit dieser Technik.

gelesen auf Spiegel.de

mehr Infos auch im Deutschen Ärzteblatt

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