Vor der Befruchtung: Neuer Gentest für alle Chromosomen
Wiener Mediziner bieten nun verbesserte Präimplantationstests an.
Vorerst kostenlos im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie. Die einen versprechen sich durch die „Präimplantationsdiagnostik“ (PID), mehr Frauen ihren Kinderwunsch erfüllen zu können. Die anderen sehen darin einen ethisch nicht zu rechtfertigenden Eingriff; befürchtet werden bisweilen sogar Tests auf bestimmte genetisch verursachte Krankheiten – Stichwort: Eugenik. Tatsache ist jedenfalls, dass die PID angewandt wird. Auch in Österreich, seit die beiden Professoren Markus Hengstschläger und Wilfried Feichtinger im Jahr 2005 die sogenannte „Polkörper-Analyse“ eingeführt haben.
Vorerst kostenlos im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie. Die einen versprechen sich durch die „Präimplantationsdiagnostik“ (PID), mehr Frauen ihren Kinderwunsch erfüllen zu können. Die anderen sehen darin einen ethisch nicht zu rechtfertigenden Eingriff; befürchtet werden bisweilen sogar Tests auf bestimmte genetisch verursachte Krankheiten – Stichwort: Eugenik. Tatsache ist jedenfalls, dass die PID angewandt wird. Auch in Österreich, seit die beiden Professoren Markus Hengstschläger und Wilfried Feichtinger im Jahr 2005 die sogenannte „Polkörper-Analyse“ eingeführt haben.
Polkörper sind genetische „Abfallkübel“
Damit soll festgestellt werden, ob eine Eizelle einen vollständigen Satz aus 23 Chromosomen besitzt. Andernfalls kommt es zu keiner Einnistung in die Gebärmutter oder später zu Fehlgeburten. Polkörper sind gewissermaßen „Abfallkübel“ einer Eizelle: In ihnen werden überzählige Chromosomen abgesondert, die bei der Reifungsteilung der Eizelle übrig bleiben. Bei dieser „Meiose“ wird von einem doppelten auf einen einfachen Chromosomensatz reduziert. Erst durch die Befruchtung der Ei- durch eine Samenzelle wird die Zahl der Chromosomen wieder auf 2 x 23 aufgestockt. Der Polkörper spielt bei der Befruchtung keine Rolle, die Chromosomen können zur Untersuchung entnommen werden. Bei anderen PID-Methoden ist das anders, diese werden in Österreich aber nicht angewandt.
Liegt im Polkörper die richtige Anzahl von Chromosomen vor, so kann man davon ausgehen, dass diese auch in der Eizelle stimmt. „Eizellen von 35-jährigen Frauen weisen zu rund 50 Prozent Chromosomenstörungen auf, bei 40-jährigen Frauen erhöht sich diese Zahl auf über 70 Prozent“, erläutert Hengstschläger.
Derzeit werden wöchentlich „eine Handvoll“ Polkörper-Untersuchungen durchgeführt. Diese testen – wie bei der sogenannten „FISH“-Methode international üblich – auf die richtige Anzahl von fünf Chromosomen: nämlich jenen mit den Nummern 13, 16, 18, 21 und 22. Im Vorjahr wurde allerdings gezeigt, dass auch bei anderen Chromosomen Fehlverteilungen vorkommen können. Daher wird der bisher angewandte Polkörper-Test nun auf alle Chromosomen ausgeweitet. Gestartet wurde eine Studie, bei der vorerst 100 Tests gratis angeboten werden. „Wir wollen wissen, für welche Klientel der Test optimal ist“, erklärt Hengstschläger: „In der Beratung wollen wir sagen können: Das wäre etwas für Sie.“
Die PID wird, so der Genetiker, nur Patienten mit bestimmten Indikationen angeboten. Etwa Frauen in höherem Alter oder mit vermehrten Fehlgeburten. Mit dieser Methode ist rein technisch gesehen auch eine weitergehende Analyse der Erbinformationen möglich. Die ethischen Implikationen daraus sind groß. „Man muss immer begleitend eine ethische Debatte führen“, betont deshalb Hengstschläger. „Die Frage ist: Was will man testen. Ich will jedenfalls nicht auf andere Dinge hin testen.“ Ihn interessiere, so Hengstschläger, lediglich die Zahl der Chromosomen in der Eizelle.
Damit soll festgestellt werden, ob eine Eizelle einen vollständigen Satz aus 23 Chromosomen besitzt. Andernfalls kommt es zu keiner Einnistung in die Gebärmutter oder später zu Fehlgeburten. Polkörper sind gewissermaßen „Abfallkübel“ einer Eizelle: In ihnen werden überzählige Chromosomen abgesondert, die bei der Reifungsteilung der Eizelle übrig bleiben. Bei dieser „Meiose“ wird von einem doppelten auf einen einfachen Chromosomensatz reduziert. Erst durch die Befruchtung der Ei- durch eine Samenzelle wird die Zahl der Chromosomen wieder auf 2 x 23 aufgestockt. Der Polkörper spielt bei der Befruchtung keine Rolle, die Chromosomen können zur Untersuchung entnommen werden. Bei anderen PID-Methoden ist das anders, diese werden in Österreich aber nicht angewandt.
Liegt im Polkörper die richtige Anzahl von Chromosomen vor, so kann man davon ausgehen, dass diese auch in der Eizelle stimmt. „Eizellen von 35-jährigen Frauen weisen zu rund 50 Prozent Chromosomenstörungen auf, bei 40-jährigen Frauen erhöht sich diese Zahl auf über 70 Prozent“, erläutert Hengstschläger.
Derzeit werden wöchentlich „eine Handvoll“ Polkörper-Untersuchungen durchgeführt. Diese testen – wie bei der sogenannten „FISH“-Methode international üblich – auf die richtige Anzahl von fünf Chromosomen: nämlich jenen mit den Nummern 13, 16, 18, 21 und 22. Im Vorjahr wurde allerdings gezeigt, dass auch bei anderen Chromosomen Fehlverteilungen vorkommen können. Daher wird der bisher angewandte Polkörper-Test nun auf alle Chromosomen ausgeweitet. Gestartet wurde eine Studie, bei der vorerst 100 Tests gratis angeboten werden. „Wir wollen wissen, für welche Klientel der Test optimal ist“, erklärt Hengstschläger: „In der Beratung wollen wir sagen können: Das wäre etwas für Sie.“
Die PID wird, so der Genetiker, nur Patienten mit bestimmten Indikationen angeboten. Etwa Frauen in höherem Alter oder mit vermehrten Fehlgeburten. Mit dieser Methode ist rein technisch gesehen auch eine weitergehende Analyse der Erbinformationen möglich. Die ethischen Implikationen daraus sind groß. „Man muss immer begleitend eine ethische Debatte führen“, betont deshalb Hengstschläger. „Die Frage ist: Was will man testen. Ich will jedenfalls nicht auf andere Dinge hin testen.“ Ihn interessiere, so Hengstschläger, lediglich die Zahl der Chromosomen in der Eizelle.


Kommentare
Es gibt auch eine andere sichtweise. Man sollte Kinderwunschpaaren keine falschen Hoffnungen machen - siehe: http://www.oegh.at/PDFs/StellungnahmePolkoerperEnd-050408.pdf
Beste Grüße C Duba
Autor: Univ. Doz. Dr. Hans-Christoph Duba | 24.04.08 10:11
Die von Herrn Duba in seinem Kommentar angesprochene Stellungnahme ist in sich widersprüchlich und ohne wissenschaftlichen Mehrwert. Detailliert und richtig nachzulesen unter http://www.dialog-gentechnik.at/binaries/10057228.pdf
Autor: Univ.-Prof. Dr. M. Hengstschläger, Univ.-Prof. Dr. W. Feichtinger | 08.05.08 07:58