Anti-Müller-Hormon ist Marker für Fruchtbarkeit der Frau
Die Konzentration des sogenannten Anti-Müller-Hormons (AMH) im Blut einer Frau ist möglicherweise ein geeigneter Marker, um ihre Fruchtbarkeit altersunabhängig zu beurteilen. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Peter Mallmann, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Uniklinik Köln, und Christian Gnoth, Leiter der Praxisklinik für Gynäkologsiche Endokrinologie und Reproduktionsmedizin in Grevenbroich, in der Zeitschrift Human Reproduction (2008; 23:1359-1365).
Paare mit Kinderwunsch nehmen nach Angaben der Autoren reproduktionsmedizinische Hilfen häufig dann in Anspruch, wenn die ovarielle Reserve, also die Zahl der Eianlagen, zur Neige geht. Dies bedeutet für die betroffenen Paare oft eine hohe physische-, psychische- und auch finanzielle Belastung. „Deshalb ist vor jeder Entscheidung für oder gegen eine Kinderwunschbehandlung eine individuelle Prognoseabschätzung dringend erforderlich“, hieß es aus der Arbeitsgruppe.
Mallmann und Gnoth konnten in der Studie zeigen, dass das AMH ein empfindlicher Parameter ist, die Antwort der Eierstöcke auf eine hormonelle Stimulationsbehandlung vorherzusagen und damit die Reserve an Eianlagen der Eierstöcke und auch den Erfolg einer In-Vitro-Fertilisationsbehandlung abzuschätzen.
Bei einem AMH von 1,6 ng/ml haben altersunabhängig 97 Prozent aller Frauen nur noch eine geringe Reserve an Eianlagen. Fällt das AMH unter 0,5 ng/ml ist diese Reserve sogar hochgradig eingeschränkt und die Aussicht auf eine erfolgreiche IVF-Behandlung sinkt auf unter zwölf Prozent.
Bei einem AMH unterhalb der Nachweisgrenze von 0,1 ng/ml ist eine In-Vitro-Fertilisationsbehandlung laut Studie nicht mehr sinnvoll, da die Eierstöcke zu erschöpft sind. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass das AMH als Screening-Parameter geeignet ist, die Reserve an Eianlagen abzuschätzen und somit ein Zeitmaß der biologischen Uhr ist.
Mallmann und Gnoth empfehlen außerdem, das AMH bei Frauen über 30 und besonders über 35 Jahre als Screening-Test zum Abschätzen des Fertilitätsstatus einzusetzen und damit interessierten Frauen eine Antwort auf die Frage zu geben: Wie lange kann ich noch mit der Umsetzung meines Kinderwunsches warten? © hil/aerzteblatt.de
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